Thomas Mann an Alexander Moritz Frey
- Zeitraum
- Freitag, 19. September 1947
- Datierung
- 19.9.1947
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
F.’s Brief vom 11. September ist ihm sehr nahegegangen. G. Bermann Fischer lasse ihn in seiner wirtschaftlichen Notlage anscheinend im Stich. In Amerika seien für emigrierte Schriftsteller in Europa keine Fonds mehr vorhanden, höchstens Stipendien für in USA lebende Autoren, um ihnen die Weiterarbeit zu ermöglichen. Rät F., vor dem Frühjahr nicht nach Deutschland zu gehen, wo er vielleicht auch nicht gut aufgenommen würde; später käme eine Tätigkeit im amerikanischen Sektor in Frage, bei der ›Neuen Zeitung‹, oder am Radio. Schickt ihm 100 Dollar zur Überbrückung. Man müßte heute ein Feuchtwanger sein, der einen handfesten, patriotischen Roman über Benjamin Franklin geschrieben und ihn nach Hollywood und an den Book of the Month Club verkauft hat. Das seien aber glückliche Ausnahmefälle. Sein eigener Sohn sitzt in Amsterdam und sucht nach einer festen Anstellung. »Lassen Sie den Mut nicht sinken! Bei aller Sorge freut es mich, dass Sie mir Ihr Vertrauen schenken.«
