Thomas MannBriefe

Thomas Manns Briefwerk umfasst mehr als 20 000 Briefe. Die Online-Plattform ›Thomas Mann Briefe‹ hat das Ziel, die Korrespondenz des Schriftstellers umfassend zu dokumentieren und wird laufend erweitert. Durchsuchen Sie Metadaten und inhaltliche Zusammenfassungen zu aktuell mehr als 16 000 Briefen. Die Daten basieren auf der fünfbändigen Buchausgabe ›Die Briefe Thomas Manns. Regesten und Register‹ (S. Fischer Verlag, 1976–1987). Mehr über das Projekt

September06

1900
München
Beantwortet G.’s »Kündigung der Freundschaft« und rechtfertigt sein bisheriges abwartendes Verhalten als das eines sich langsam entwickelnden Künstlers. »Ich halte das Abwarten für die weiseste Handlungsweise der Welt. Solange man ganz jung ist, noch jünger als wir, hält man jede Lebensweise, jede Lebensperiode, in der man sich gerade befindet, für etwas Dauerndes und Endgültiges und glaubt, verzweifeln und gewaltsam eingreifen zu müssen. Das ist ganz falsch [...] Es gilt in aller Stille und Geduld abzuwarten, bis alles wieder leicht und von selbst, ganz anders wird, und das thut es, zuverlässig, zu seiner Zeit.« Besteht auf einer feierlichen Beendigung der Freundschaft. Über die nächsten Theatervorstellungen. – Ist ohne weitere Untersuchung beim Königlich Bayrischen Infanterie-Leibregiment angenommen worden.
1915
Bad Tölz
›Der Tod in Venedig‹ ist nicht nur eine Geschichte vom Tode, »eine Geschichte der Wollust des Untergangs«, sondern das Hauptproblem dieser Novelle ist die Frage der Künstlerwürde, »die Tragödie des Meistertums«. Der ursprüngliche Plan war die Geschichte von Goethes letzter Liebe zu einem kleinen Mädchen.
1927
München
Über Hans Francks ›Der Regenbogen‹: »Ein schönes, reiches Buch. Schon seine stoffliche Spannweite imponiert mir außerordentlich. Ein rechtes deutsches Geschichtsbuch, das sich kraft seines hochgeschulten, gesunden und reinen Stils und seiner unbefangenen dichterischen Lebensanschauung dem Besten anreiht, was auf diesem Gebiet geleistet worden ist.«
1928
München
Erklärt sich mit dem Termin für den Vortragsabend in Zürich einverstanden. Setzt voraus, dass sich die Termine der Lesungen in den anderen Städten damit verbinden lassen.
1928
München
Dankt für G.s Entgegenkommen und dessen Beistand beim Ausleihen von Büchern.
1930
München
Sendet B.s »Humoresken« zurück [nichts Näheres ermittelt]. »Wieso bin denn ich ein ›Herausgeber‹?« B. könne besser als er den richtigen Verleger finden.
1932
München
Dankt F. für ein merkwürdiges und fesselndes kleines Buch, »hinter dem ein so gewaltiges, mit Geist und höchster Angelegentlichkeit betriebenes Studium steht«. Las es noch in Nidden, war zugleich gefesselt und verwirrt, denn das Buch gehe mit großer Tapferkeit ein Geheimnis an, »das zuletzt Geheimnis bleibt, – kein Wunder, denn es ist das Leben selbst«. Das Blut- und Rassenproblem bleibe »heillos verwickelt«. Die »europäische Herrenklasse« finde dort ihre Grenze, wo man die Blutzusammensetzung Goethes nicht genauer bezeichnen könne »als mit dem Wort ›eurasisch‹«. Wenn ein Mann, den die Berliner mit gutem Grund »Goebbeles« nennen, ihn im ›Angriff‹ als eine »schreibende Mischung zwischen [!] Indianern, Negern, Mauren« anprangere, dem verboten werden solle, sich deutscher Schriftsteller zu nennen, so tue er es doch »und rechne mich sogar zu jener geistigen Gesellschaft Europas, neben der die ›deutsche Herrenklasse‹ ein recht gleichgültiger Klub geworden ist«.
1933
Sanary-sur-Mer
»Muß mir das Recht vorbehalten, literarischer Zeitschrift europäischen Charakters, die erste Namen der Welt zu ihren Mitarbeitern zählt, auch meine gelegentliche Mitarbeit in Aussicht zu stellen, was selbstverständlich keine Identifizierung mit jedem einzelnen Beitrag bedeuten kann.«
1935
Küsnacht
Fügt seinem gestrigen Brief die Mitteilung über ein Telefonat mit Dr. Heins hinzu, der sich darüber beschwert, dass er von B. F. nicht auf dem Laufenden gehalten werde. Bittet B. F. dringend, den Rechtsanwalt besonders über ihren Briefwechsel, das Washingtoner Interview über den Kommunismus betreffend, zu unterrichten.
1935
Küsnacht
Bemüht sich, K.s Buch ›Israel unter den Völkern‹ bei einem Verlag unterzubringen. Hofft, dass der S. Fischer Verlag Deutschland verlässt und dass das Buch dann dort publiziert werden kann. Hält es nicht für richtig, es in einem ausgesprochen jüdischen Verlag erscheinen zu lassen.
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