Thomas MannBriefe

Thomas Manns Briefwerk umfasst mehr als 20 000 Briefe. Die Online-Plattform ›Thomas Mann Briefe‹ hat das Ziel, die Korrespondenz des Schriftstellers umfassend zu dokumentieren und wird laufend erweitert. Durchsuchen Sie Metadaten und inhaltliche Zusammenfassungen zu aktuell mehr als 16 000 Briefen. Die Daten basieren auf der fünfbändigen Buchausgabe ›Die Briefe Thomas Manns. Regesten und Register‹ (S. Fischer Verlag, 1976–1987). Mehr über das Projekt

September27

1894
München
Gesteht G., der ihm seinen letzten Brief übelgenommen hat [s. Brief an Otto Grautoff vom 22.9.1894 / Reg. 94/2], dass alles nur »Spott und Ulk war, und nichts weiter; aber ich gedachte mit munteren Narrheiten über Deine Misere ein paar Minuten hinwegzugippern, und diesen Freundschaftsdienst lohntest Du mir mit einer schriftlichen Tracht Prügel!« Findet bittere Worte über Ludwig Ewers, dessen Doppelzüngigkeit sich daran bewiesen habe, dass er ihm riet, die ›Farbenskizze‹ dem Redakteur Szafranski zuzuschicken und dann diesem »verärgerten und versäuerten Schreiber« eine hinterhältige Kritik über sie zu diktieren, die »an Albernheit meinem Machwerk sicher nicht nachstand, das damals nach perverser Originalität ungeschickt noch tastete«. Ihm schreibe Ewers scheinheilig lobende Briefe über seinen »herrlichen Vater« und bringe andererseits seine Mutter »gelegentlich des Gerüchtes der Wiederverheiratung« in Verruf. – Stellt G. in nüchternen Zahlen die Unmöglichkeit vor, in Berlin mit knappen Geldmitteln als Journalist leben zu können, sieht für ihn die einzige Möglichkeit darin, dass er seiner Mutter die Mittel für ein Studium abringe. »Dann gehst Du bewaffnet mit Geld und gutem Gewissen nach Berlin [...], hast Muße zu arbeiten [...], vor allen Dingen: etwas zu lernen, wie ich es jetzt thun werde [...]« Denn zu der »intellectuellsten der Künste, der Wortkunst«, gehört nicht nur Gefühl und Technik, sondern auch Wissen, »es sei denn, daß man unter die Lyriker gehen will und verhungern«.
1896
München
Schickt G. vor seiner Abreise einen »lieben und freundschaftlichen« Gruß, damit die Unterbrechung ihrer Korrespondenz »bedauerlicherweise« sich nicht so lang hinschleppe. Macht ihm Vorwürfe, dass er seinen Ratschlägen in der Angelegenheit der »ganzen Geschichte« nicht gefolgt sei, sondern ihn noch gescholten habe. – Erzählt von dem Besuch eines Freundes seines Bruders, eines »klugen und liebenswürdigen Menschen«, der etwas Bewegung in das Mutterhaus gebracht habe und dem München hätte »produziert« werden müssen. Sonst seien die Tage seit seiner Rückkehr aus Österreich ruhig verflossen. – Teilt G. seine Reiseroute mit: zunächst Zürich, wo sein Bruder zu tun habe, dann die Wintermonate an der Riviera, von dort weiter südwärts. – Hat den ›Kleinen Herrn Friedemann‹ abgeschlossen, weiß noch nicht, wohin er die Novelle schicken wird. Dem ›Simplicissimus‹ sandte er für ein Preisausschreiben die kleine Tagebuchnovelle ›Der Tod‹ ein und hofft nun »dreist auf den goldnen Lorbeer«. Schreibt ab und zu für das ›20. Jahrhundert‹. – Korfiz Holm hat sich in »diese einfältige Stadt« verliebt und wird am 15. Oktober Volontär in der Redaktion des ›Simplicissimus‹.
1906
München
Bedauert, keine Auskunft [über eine Geldzahlung] geben zu können, denn er führe nicht Buch. »Sie finden das natürlich affrös. Aber was wollen Sie, ich bin ein liederlicher und etwas schmutziger Poet.« Er müsse bald nach Hamburg fahren, wo er sich zu einer Vorlesung verpflichtet habe, und werde in Berlin einen Dr. Potthof aufsuchen. »Er ist Schauspieler und hat mir den heftigen Wunsch ausgedrückt, ›Fiorenza‹ oeffentlich zu recitiren.«
1913
Bad Tölz
Seit er den ›Tod in Venedig‹ geschrieben habe, steht seinem Herzen ›Tonio Kröger‹ wieder näher. Fragt H., warum er die neue Novelle so vollständig ablehne.
1919
München

Gibt seiner tiefempfundenen Dankbarkeit für die akademische Auszeichnung Ausdruck, die ihn mit besonderem Stolz erfüllt; findet es besonders erfreulich, dass sich unter den »so festlicherweise ernannten Ehrendoktoren auch ein deutscher Schriftsteller befindet«.

1924
München
Dankt für H.s neues Buch, das ihm nächstens als Reiselektüre dienen soll. Steht vor der Vollendung des ›Zauberbergs‹.
1925
Casamicciola
Ist erfreut über die Nachricht, dass der ›Tod in Venedig‹ demnächst in Frankreich erscheint; erwartet mit Ungeduld B.s Besprechung des ›Zauberberg‹ in der ›Nouvelle Revue Française‹, besonders deshalb, weil man in Schweden glaube, der Roman sei nicht übersetzbar. – Stellt ein kleines Missverständnis aus dem Interview bezüglich des ›Parsifal‹ richtig. – Ist über die Reiseabenteuer seines Sohnes Klaus wenig unterrichtet.
1925
Casamicciola
Rät ihm, seine literarische Tätigkeit bei mangelnder Befähigung aufzugeben und sich wieder stärker seinem ärztlichen Beruf zuzuwenden. Falls sich zu seiner jetzigen Umgebung kein Vertrauensverhältnis herstellen lasse, solle er sein Tätigkeitsfeld wechseln; erinnert an Alfred Döblin, der als Armenarzt im Norden Berlins wirke.
1925
Casamicciola

Muss D.s Einladung in Lübeck abschlagen, da er schon Frau Ida Boy-Ed und dem Direktor des Stadttheaters abgesagt habe. – Berichtet von dem italienischen Aufenthalt, Besuchen in Rom und Neapel, und dem Glück der Kinder, die sich ein Ende der Ferien nicht vorstellen können.

1925
Casamicciola
Muss eine Münchner Vorlesung [im Argonauten-Programm] absagen, da er im Moment kein passendes Material hat.
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