Thomas Mann an Carl Helbling
- Zeitraum
- Mittwoch, 24. Dezember 1947
- Datierung
- 24.12.1947
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Schöner konnte sein »Buch der Schmerzen« nicht gelohnt werden als durch H.’s Worte und durch die bewegte Anteilnahme der literarischen Schweiz. »So wie bei Ihnen wird dies Buch nirgends gelesen werden, auch in Deutschland nicht, wo einfach jetzt der geistige Blutdruck zu niedrig ist. Und hier? Excessively German and altogether a terrible mess – ich sehe und höre es schon.« Aber was konnte auch bei einem Buch, das die gegenwärtige Epoche einschließt, auch anderes herauskommen. Wie merkwürdig seien H.’s jungen Sohnes Tränen und dessen eigenen. Man hat vielleicht seit Werthers Tagen nicht mehr soviel von Tränen gehört. Auch ihm sind die Tränen nah, sobald von dem Buch die Rede ist. »Es ist eine offene Wunde, hat eine fast wilde Direktheit, die tief an mir gezehrt hat.« Es sei kein Zufall gewesen, dass er mitten darin schwer erkrankt sei und von der Operation wie ein junges Blut genas, um das Werk zu vollenden. – Gratuliert C. zum 50. Geburtstag und gedenkt dabei der stets schönen und ausdrucksvollen Anhänglichkeit. – Bedauert, dass sich Bermann Fischer gegen einen in der Schweiz geplanten Essayband wehrt, nachdem er gerade unter Druck die Manesse-Sammlung genehmigt habe.
