Thomas Mann an Albert Moeschinger

Zeitraum
Montag, 22. März 1948
Datierung
22.3.1948
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Nimmt Kenntnis von der übersandten Korrespondenz M.s mit »Dr. F[ischer]«, worin M. den ›Doktor Faustus‹ gegen F[ischer]s Vorwurf der »höhnischen Inhumanität und Menschenfeindschaft« verteidigt. Freut sich, dass in dieser Kontroverse kein böses und verletzendes Wort gefallen und alles im Sande verlaufen sei. – Bringt M. gegenüber seine humane Haltung zum Ausdruck: »Ich bin recht eigentlich ein gutmütiger Patron, dem freilich, dank einer dem Künstler und Schriftsteller wohl unentbehrlichen Reizbarkeit, die Dummheit und Niedertracht durchschnittlichen Menschentums oft schrecklich auf die Nerven geht, der aber auch […] 'durch den bloßen Anblick eines Menschenantlitzes von Melancholie geheilt werden kann.« Zitiert den Kernsatz aus dem ›Zauberberg‹, weist auf »das humoristische Menschheitslied« der Joseph-Romane und auf die Gestalt der Frau Schweigestill hin, »die brävste Figur im ganzen Buch«. Sie habe er zum Mundstück seines Glaubens an die Gnade gemacht, »denn wie sollte ich kein Gläubiger der Gnade sein, – die mir gewährte, im Alter dies Buch zu schreiben?« An diesem Roman hänge er, während er andere Werke längst abgetan habe, es sei sein Lebens- und Bekenntnisbuch, »ein Geheimwerk«, das er nicht gern an die Öffentlichkeit gegeben habe. Freut sich auf M.s Widmung der Partitur seines im Entstehen begriffenen musikalischen Hörspiels ›Die kleine Seejungfrau‹; wird sie zwar nicht über den Beromünster Sender hören können, hoffe aber, sie im nächsten Jahr in der Schweiz hören zu können.

Erwähnungen

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