Thomas Mann an Agnes E. Meyer

Zeitraum
Samstag, 22. Mai 1948
Datierung
22.5.1948
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Dankt für einen »erfrischenden« Artikel und die Rücksendung des ›Faustus‹-Materials; schickt ihr die Knopfsche Gesamtausgabe des ›Joseph‹, »eine Merkwürdigkeit immerhin und eine imposante Leistung amerikanischer Buchtechnik«. Sein Verleger hat Joseph Angell vom Pomona College mit der Zusammenstellung einer Taschenbuchausgabe beauftragt, »eine Auswahl von erzählenden Stücken und Essays, recht geschickt ausgewählt, um bequemen Leuten eine bequeme Bekanntschaft mit diesem nicht ganz bequemen Autor zu vermitteln«. Gottfried Bermann Fischer bringt jetzt in Holland ebenfalls eine Gesamtausgabe des Joseph-Romans heraus, und zwar in drei Bänden. ›Doktor Faustus‹ hat es in Europa auf 19 000 Exemplare gebracht, eine geringe Zahl nur, aber die Wirkung sei unverhältnismäßig größer: die Schweiz beschäftige sich immer noch mit dem Roman, in Deutschland sei sogar eine Broschüre über ihn erschienen. Empfiehlt ihr die Frühjahrsausgabe der ›Neue Rundschau‹ mit zwei guten Aufsätzen über den ›Doktor Faustus‹, einem weiteren interessanten Essay über Russland und World-Government von Borgese. Unterhält sich vortrefflich in seinem vagen Mittelalter und hat es schon zu 50 Seiten gebracht. »Merkwürdig, wie ich über das Luther-Deutsche und Nepomuks Schweizer Mittelhochdeutsch im ›Faustus‹ zur Sprache dieses Zeitvertreib-Werkchens gekommen bin, in die sich dialogisch auch Alt-Französisches mischt. Das Schweben der Sprache im Übernationalen hat für mich einen besonderen Reiz […]« Klaus und Monika kommen im Sommer; Michael ist von Eugene Ormandy an das Hollywood Bowl Symphony Orchestra engagiert und zieht mit der Familie nach Los Angeles.

Erwähnungen

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