Thomas Mann an Hans Reisiger
- Zeitraum
- Dienstag, 17. August 1948
- Datierung
- 17.8.1948
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
R. sei »ein Goldmensch«, denn seine nur zu berechtigten Vorhaltungen in seinem Brief stellten »wirklich das *Minimum* dessen dar, was ich an Empfindlichkeit von Ihnen zu gewärtigen hatte«. Erklärt, wie er zu diesem Porträt, »dessen Lebendigkeit sich von der des Modells so sehr unterscheidet«, gekommen sei: Deutschland und Europa waren weit und tief abgetrennt, versunken war die Freundesgestalt; er stand unter der Faszination eines Werkes, das »Bekenntnis und Lebensopfer durch und durch, keine Rücksicht kennt«. Zitiert den Literaturkritiker Paul Rilla, der »heiter überrascht« das Porträt eines liebenswürdigen Schriftstellers, »untrüglich in jedem Zuge«, während der Lektüre entdeckt habe. In seinem autobiographischen Fragment, der ›Entstehung des Doktor Faustus‹, an dem er gerade schreibe, wolle er von R.s »guter Miene, von seiner Duldsamkeit, seinem Verständnis, seiner Selbstüberwindung« Zeugnis ablegen. Der Roman habe eine seltsame Ausstrahlung, selbst in der Übersetzung. Der Book of the Month Club habe ihn für einen der nächsten Monate ausgewählt, was eine amerikanische Auflage von 250 000 Exemplaren bedeute.
