Thomas Mann an Walter Lippmann
- Zeitraum
- Montag, 13. September 1948
- Datierung
- 13.9.1948
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Legt L. die Situation der deutschen Intelligenz dar, die von der wenig an kulturellen Fragen interessierten amerikanischen Militärregierung arg vernachlässigt werde, obwohl sie zur Durchführung der so stark propagierten »re-education« benötigt würde. Durch die Einführung der neuen Währung seien besonders die Intellektuellen völlig verarmt und auf die unzulänglichen Rationen angewiesen, während andere, weniger erwünschte Teile der Bevölkerung aus dem schwarzen Markt ihre Vorteile zögen. Führt als Gegenbeispiel die russische Besatzungsmacht an, die es verstünde, die Intelligenzschicht der Sowjetzone mit bestimmten Privilegien auszustatten, ihr Stalin-Pakete und sonstige Erleichterungen für ihre Existenz zukommen lasse, wenn sie auch dafür die Freiheit des Schreibens und Redens hätte aufgeben müssen. Er habe sich daher an den amerikanischen PEN-Club gewandt, dessen Internationaler Hilfsfonds bisher Deutschen nicht zugänglich war, und mit Hilfe von Ben Huebsch und Elmer Rice eine Liste von 50-60 Schriftstellern zusammengestellt, die aus diesem Hilfsfonds mit Care-Paketen versorgt würden. »The effect, I noted, has been great, far greater than the actual […] value of the gifts would seem to have warranted.« Leider seien die Mittel dieses Fonds jetzt erschöpft. Es müsse nun eine offizielle Bewegung in Gang gesetzt werden, die ganz Westdeutschland davon überzeuge, dass Amerika entschlossen sei, seine denkenden und schreibenden Freunde nicht umkommen zu lassen. Er könne sich kein besseres Mittel vorstellen, eine solche Bewegung ins Leben zu rufen, als einen Artikel von L. Es habe keinen Zweck, selbst einen Brief an die ›New York Herald Tribune‹ zu schreiben, weil er nur eine begrenzte Leserschicht erreiche, während L. als Amerikas erster Kommentator eine weit größere Resonanz für seine Kolumnen habe. Hofft, von ihm zu hören.
