Thomas Mann an Peter Suhrkamp
- Zeitraum
- Freitag, 24. September 1948
- Datierung
- 24.9.1948
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Ist gespannt auf die Wirkung des ›Doktor Faustus‹ in Deutschland. Kritisiert die Bemerkungen der englischen Germanistin Butler zum ›Doktor Faustus‹: »Ein Alterswerk ist es ja, rein objektiv gesprochen, nun einmal, aber was der Mrs. Butler gar nicht bemerklich geworden zu sein scheint, ist die doch ziemlich rare Erscheinung, daß einer mit 70 Jahren sein wildestes Buch schreibt.« Tantiemefragen. Stimmt zu, dass seine Spenden zum Aufbau der St. Marienkirche in Lübeck eingeschränkt werden. S.s Bemerkungen über den »deutschen Seelenzustand« stimmen ihn melancholisch. Steht vor der Frage, ob er im Frühjahr Deutschland besuchen soll. »Wenn es schon voriges Jahr eine prekäre und kaum natürliche Situation war, daß ich, so wenige Kilometer von der Grenze entfernt, keinen Besuch in Deutschland abstattete, so wird das im kommenden Jahr beiden Teilen, mir sowohl wie dem deutschen Publikum, noch fühlbarer sein.« Will abwarten, wie sich die Dinge im April/Mai 1949 ausnehmen. Ist im Ganzen pessimistisch.
