Thomas Mann an Redaktion ›Berliner Tageblatt‹
- Zeitraum
- Montag, 9. November 1914
- Datierung
- ohne Datum [vor 9.11.1914]
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Stellt fest, dass Kriegszeiten für gute Lektüre nicht geeignet seien, man gebe sich stärker den Aktualitäten der Tagespresse hin. Wenn aber ein Buch gelesen werde, müsse es »das Hochstehende und Hochsinnige« sein, wobei Heiterkeit nicht ausgeschlossen sei; unangemessen für diese Zeit erscheine ihm »das Unernste«. Auf die Aufforderung der Redaktion stelle er zehn Namen für die Lektüre der Zeit zusammen: in erster Linie vier Philosophen, dann Bismarcks ›Gedanken und Erinnerungen‹ und Carlyles ›Friedrich der Große‹: weil in diesen Büchern deutsche Geschichte studiert werden könne. Von erzählender Literatur nenne er die Bücher Goethes und die Novellen Kleists, dessen Lyrik allerdings mit ihrem Haßpathos dem heutigen Leser nicht mehr zugänglich sei. Da fremdländische Literatur heute auf inneren Widerstand stoßen würde, empfehle er die gemessene und haltungsvolle Prosa und Verskunst C. F. Meyers und die lässigere und sorgenlösende Art Theodor Fontanes.
