Thomas Mann an Benjamin H. Cook, United Press Association, Daily News Building, Los Angeles
- Zeitraum
- Samstag, 12. Februar 1949
- Datierung
- 12.2.1949
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Erinnert sich gut an ihre drei Jahre zurückliegende Korrespondenz über den Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß, den er voller Optimismus verteidigt habe. Seither sei er durch die wachsende machtpolitische Konstellation in der ganzen Welt enttäuscht. Viele Verantwortliche, die Hitler in den Sattel geholfen hätten, seien vogelfrei geblieben, so Franz von Papen, viele Beamte, Großindustrielle. Er sei kein Verteidiger des Kommunismus, aber die Furcht vor ihm und der Kampf gegen ihn habe alles verdorben, und nicht die Demokratie sei ermutigt worden, sondern der Faschismus. Liberale Briten und Amerikaner würden in deutschen Zeitungen als »Agenten Stalins« diffamiert, ohne dass die Besatzungsbehörden einschritten. Eisenhowers Verdienste im Krieg würden durch Zeitungen in der englischen Zone geschmälert und Umgekehrtes geschehe in der amerikanischen Zone. Trotz all diesen düsteren Folgen sei sein alter Glaube an die Bedeutung des Nürnberger Prozesses nicht erschüttert worden. Die hoch inspirierte Eröffnungsrede von Richter Jackson bleibe ein unvergeßliches Dokument, ebenso die vollendet korrekt geführte Prozeßführung. Nach seiner Überzeugung sein der Prozeß eine feierliche Handlung gewesen, die ein Gesetz besiegelte, das tief im Gewissen der Völker eingeprägt sei, das Gesetz des Friedens. »I believe even today that the trial of Nuernberg demonstrated humanity’s will to raise itself to a new level of its social maturity.«
