Thomas Mann an Pacific Palisades, Cal.
- Zeitraum
- Dienstag, 30. August 1949
- Datierung
- 30.8.1949
- Empfänger:in
Zusammenfassung
Ist froh, nach seiner Europareise wieder zu Hause, »in diese Zuflucht wieder heimgekehrt zu sein«. Die Reise ist »rein-freundlich und ehrenvoll« verlaufen, den Aufenthalt in Deutschland hat ihm die »freie deutsche Presse« verleidet. Lobt dagegen den »autoritären Volksstaat«, der »seine schwarzen Seiten hat«, aber wo »man dem Volk Respekt einprägt vor meiner ganz unkonformistischen Arbeit, so dass kein schmutziger Schmähbrief und dümmlich-hämischer Schimpfartikel sich hervorwagt, – ich gestehe, das besticht mich. Ist es sehr charakterschwach?« Hat den neuen Roman Kesters gelesen, der ihm nicht gefällt. Lobt dagegen das Buch ›Der Atem‹ seines Bruders Heinrich. Bedauert, dass F.’s Erzählungen nicht gedruckt werden und er sich als Rezensent durchschlagen muß. Weist F. auf die letzte Arbeit seines Sohnes Klaus hin, ›Die Heimsuchung des europäischen Geistes‹. »Kaum je ist die Zerrissenheit der europäischen Geistigkeit mit soviel trauernder Umsicht dargestellt worden.«
