Thomas Mann an Martin Borrmann
- Zeitraum
- Donnerstag, 27. Mai 1915
- Datierung
- 27.5.1915
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Bestätigt B.’s Manuskriptsendung; hat trotz Krankheit und Behinderung das Hauptstück ›Jürgen Ahlers‹ gelesen. Talent sei ein heikler, schwieriger Begriff. Man könnte sagen: »Leben bedeute nichts weiter als Schicksalsfähigkeit«. Einem Zwanzigjährigen könne man schwer Talent attestieren, denn »Talent bedeutet geheime Entwicklungs- und Bildungsmöglichkeiten, schlummernde, sittliche Eigenschaften, es ist zunächst etwas ganz Subjektives. Ein Instinkt, ein Glaube.« Er könne ihn durchaus anspornen. Bei der Lektüre des ›Prologs‹ sei er auf Stücke gestoßen, »die mich glauben lassen, daß hier etwas ist, etwas wird, daß Sie fortfahren sollten, zu schreiben.« Ob er sein ganzes Leben freilich auf das Schreiben stellen solle, sei fraglich.
