Thomas Mann an János Györki
- Zeitraum
- Montag, 12. Juni 1950
- Datierung
- 12.6.1950
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Bittet G. als einen ihm Wohlgesinnten, sich an das zu halten, was er selber gesagt und veröffentlicht habe. Die Behauptung des Mitarbeiters der ›Lettres Françaises‹, dass er in dessen Gegenwart den Aufruf der Stockholmer Friedenskonferenz unterschrieben habe, sei »offenkundiger Unsinn«. Er sei sich nicht ganz sicher, ob er diesen Aufruf überhaupt unterschrieben habe; aber im zugegebenen Fall sei es nur geschehen, »weil man mir die Sache als eine über-parteiliche, nicht kommunistisch determinierte Aktion zugunsten des internationalen Friedens dargestellt hat«. In seinem letzten Vortrag habe er sich mit dem schlechten Verhältnis der Kommunisten zur Wahrheit auseinandergesetzt. Sie hätten »eine sehr unangenehme und verderbte Art, sich zu tarnen, ihre Zwecke in allgemein demokratische Sprachwendungen zu kleiden [...] und so, man kann wohl sagen: durch Betrug, Gutwillige, an deren Namen ihnen gelegen ist, ihren machtpolitischen Zielen dienstbar zu machen«. Die gesellschaftlichen Probleme von heute seien sehr kompliziert: wenn man »weise« sei, im Sinne ruhebedürftiger Vorsicht, dann schweige man überhaupt. Er sei aber ein dem Leben und seinen zukünftigen Aufgaben verpflichteter Schriftsteller, der anderen seine Hilfe anbiete, dafür aber auch von vielen mißverstanden werde.
