Thomas Mann an Wolfgang Cordan
- Zeitraum
- Freitag, 4. August 1950
- Datierung
- 4.8.1950
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Hat von Rychner C.’s Bericht [über Folterungen auf der griechischen Verbannungsinsel Makronissos] noch nicht erhalten, ist aber davon unterrichtet. »Was dann tun? Ich bin im Begriffe, nach Californien zurückzukehren, wo ich mein Haus habe, – und im Begriffe, davon abzustehen und ›draußen‹ zu bleiben, wie Frühjahr 1933. Es ist fast dieselbe Lage. Drüben bin ich schwer bloßgestellt, von ›Life‹ und Consorten längst als fellow traveller denunziert, und habe noch keine rechte Vorstellung von den Bedingungen, unter denen ich, wie die Dinge sich seit meiner Abreise entwickelt haben, dort zu leben haben werde.« – Wegen Griechenland habe er schon einmal an das State Department geschrieben und eine Antwort erhalten, deren Höflichkeit nur durch ihre unglaubliche Unwahrhaftigkeit übertroffen wurde. Übt scharfe Kritik an Amerika wegen seiner fanatischen anti-russischen Haltung. »Seine Demokratie kennt überhaupt keine Scham mehr. Sein Dünkel, seine Selbstgerechtigkeit, bei krassester moralischer Gesunkenheit, sind ohne Grenzen. Es glaubt wirklich, dass Gott anti-russisch ist.«
