Thomas Mann an Enzo Paci
- Zeitraum
- Dienstag, 8. August 1950
- Datierung
- 8.8.1950
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Dankt für das Buch ›Essistenza ed immagine‹, das zwei Aufsätze mit tiefen und feinen Einsichten über sein Verhältnis zur Musik und zur Philosophie enthält. Erklärt, dass er die umfassende Kenntnis moderner europäischer literarischer Strömungen und Individualitäten, die sich in P.’s Buche bekunde, nicht genug bewundern könne. Sie habe etwas Beschämendes für ihn, dessen Bereitwilligkeit zur Kenntnisnahme, namentlich bei fremdsprachlichem Gut, so viel geringer sei. »Joyce z.B. ist mir auf direktem Wege unzugänglich. Aber über ihn habe ich auf englisch manches gelesen, was mir das Gefühl einer gewissen künstlerischen Schicksalsverwandtschaft gegeben hat.« Die Josephs-Geschichten seien dem ›Ulysses‹ nicht so fern, wie man wegen ihrer konservativen Mittel, ihrer stärkeren Traditionsgebundenheit und darum ihrer leichteren Lesbarkeit glauben sollte. – Im zweiten Teil des Briefes erläutert er eingehend den ›Doktor Faustus‹.
