Thomas Mann an Fritz Kaufmann
- Zeitraum
- Samstag, 28. Oktober 1950
- Datierung
- 28.10.1950
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Dankt für die Bekanntgabe des Vorworts, das gut und verheißungsvoll sei. Sicher habe K. ein schönes Buch geschrieben, das auch einen Verleger finden werde. Die New Yorker Kritik sei etwas irritiert über das viele Lob, das ihm gespendet werde, wie jetzt wieder durch Angells ›Reader‹ und vorher durch Neiders ›Stature of Thomas Mann‹. Dabei könne er versichern, dass er nichts dazu beigetragen habe, um seinen Ruhm zu fördern. Es müsse alles hinter seinem Rücken geschehen, »damit ich vor der Bosheit ein gutes Gewissen habe«. Hat vorgestern den ›Erwählten‹ abgeschlossen; wenn der Roman 1951 auf englisch erscheine, werde auch für K.’s Buch in der Verlegerwelt eine gewisse Empfänglichkeit vorhanden sein. Er habe eine gewisse Begabung, die künstlerische Arbeit von der Umwelt abzuschirmen. So merke man dem ›Jospeh‹ kaum an, dass er »zur Zeit von Hitlers Maienblüte« geschrieben sei und dass er sich 52mal darin unterbrach, um »Radio-Diatriben gegen ihn zu verfassen«. »Meine Vormittage sind für Tag, Welt, Politik schalldicht abgeschlossen. Ärgern tu‹ ich mich nur am Nachmittag.«
