Thomas Mann an Eva Zimmermann

Zeitraum
Sonntag, 4. Februar 1951
Datierung
4.2.1951
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Z. habe das Erzählelement, das sie mit »Medisance« bezeichnete, nicht klar genug definiert. Anfangs glaubte er, sie meine die Neigung zur Medisance beim Autor selbst. »Als Ausdruck einer gewissen Schärfe und unerbittlichen Beobachtung und des Sinnes für menschliche Komik«, so wie der »gesamte literarische Weltrealismus« diese Medisance aufweist. Nun denke Z. wohl nur an die Medisance, die der Verfasser den einzelnen Figuren seines Werks in den Mund lege. Die Medisance von Settembrini sei streng moralischer Natur. Sie wende sich »gegen die Versuchung durch Krankheit und Tod, für die der nette Hans Castorp so sehr empfänglich ist.« Ferner käme bei ihm noch die Medisance in Betracht, die in ›Lotte in Weimar‹ in den Gesprächen über den großen Mann zum Ausdruck komme. »Diese entspricht natürlich dem Aufmucken gegen die alles dominierende Persönlichkeit des mächtigen Dichters und des nur halb unterdrückten Ressentiments gegen seine beherrschende Natur.«

Erwähnungen

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