Thomas Mann an Wilhelm Kamm

Zeitraum
Dienstag, 16. Oktober 1951
Datierung
16.10.1951
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Kommt erst jetzt nach fast dreimonatigem Aufenthalt in Europa zu einer Antwort auf K.’s Brief. Dankt ihm für die Mitteilung, dass seine Werke, die oft als »dekadent und heillos« verrufene Hervorbringungen gebrandmarkt werden, auf K. als »Stahlbäder der Gesundung« wirkten. Seine Absicht sei immer gewesen, den Menschen »ein Gutes zu tun, ihnen leben zu helfen, wie sie mir geholfen haben, zu leben«. Neben Äußerungen von Feinden, die seine Bücher »gott- und glaubenslos« nennen, habe er viele Stimmen vernommen, die das Humane und die Sympathie in seinem Werk spürten. Er werde sich schließlich doch wohl in dem Bewußtsein schlafen legen können, »kein ganz schlechter Zeitgenosse und Erdenkamerad gewesen zu sein«. Zum ›Erwählten‹: bezeichnet es als Gnade, dass es ihm vergönnt war, »nach dem verzehrenden ›Doktor Faustus‹, einem Buch, das mir fast das Leben gekostet hätte«, dies »in Gott vergnügte kleine Werk« noch zustande zu bringen. Berichtet von den verschiedenen Quellen, aus denen er geschöpft hat. Er sei vielen Dingen auf den Grund gegangen, »da der von Ouwe sich die Sache gar zu leicht gemacht hatte«. Der Stoff des ›Erwählten‹ sei ihm von seinem Freund Karl Kerényi in seiner Schrift ›Urmensch und Mysterium‹ entgegengebracht worden.

Erwähnungen

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