Thomas Mann an Theodor W. Adorno
- Zeitraum
- Mittwoch, 9. Januar 1952
- Datierung
- 9.1.1952
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Dankt für die guten Worte über die Krull-Kapitel, die er im Züricher Schauspielhaus gelesen hatte und die dann Gottfried Bermann Fischer für die ›Neue Rundschau‹ einforderte. – Dementiert das Gerücht, dass er sich schon einem anderen Stoff zuwende. Er habe sich nach dem ›Doktor Faustus‹ abgeschworen, je wieder einen großen Roman zu schreiben, nun tue er es doch und habe sich damit etwas aufgehalst, was wahrscheinlich über seine Jahre gehe. »Wenn wenigstens nicht die verdammte Neigung wäre, alles und jedes, selbst etwas so Närrisches, ins ›Faustische‹ ausarten zu lassen und eine Wanderung durchs Unendliche daraus zu machen!« – Dankt voll Bewunderung für A.s ›Minima moralia‹. Tagelang habe er an dem Buch »magnetisch« festgehangen, es sei eine faszinierende Lektüre, »aber doch nur in kleinen Schlucken zu genießen, konzentrierteste Kost«. – Kennt A.s ›Bach gegen seine Liebhaber verteidigt‹ noch nicht und ist auf dessen »Abhandlung über den Strauss-Richardl» gespannt, den »Revolutionär als Sonntagskind«. – Schade, dass sie »um einander herum gefahren sind«. Wenn A. im Herbst in Kaliformen sei, wären sie wieder in Europa. »Vielleicht auf ein Jahr, vielleicht auf ein paar Jahre, oder wie man es nennen will […]« Die »Sache« müsse mit großer Rücksicht und Diskretion behandelt werden und dürfe nur ein Minimum an Aufsehen erregen. Jedenfalls müssten sie irgendwo einmal zusammentreffen.
