Thomas Mann an Jonas Lesser
- Zeitraum
- Sonntag, 10. Februar 1952
- Datierung
- 10.2.1952
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Ist auf seine alten Tage hin sehr beschäftigt: will die Krull-Memoiren vorwärtstreiben, redigiert den Sammelband ›Altes und Neues‹ und hat »leichtsinnig zugestandene Äußerungen« für Rundfunksendungen zu erfüllen. Dankt L. für dessen reichhaltige Sendung, unter anderem die Vorschlagsliste für die Beiträge zu ›Altes und Neues‹, für ein Buch über Ulrich von Hutten [s. Brief an Jonas Lesser vom 22.3.1952 / Reg. 52/82] und die erstaunlichen und rührenden Monstrebriefe, die L. an Erich Brock, Max von Brück und J. Albert Guérard geschrieben habe. »Brock habe ich nicht gelesen […] Aber wenn Brock wirklich gesagt hat, ich sei im oder am ›Faustus‹ zum großen Dichter geworden, so scheint mir das, ob wahr oder nicht, doch alles zu balancieren, was er sonst gegen den Roman vorgebracht hat. Das mit dem Antisemitismus ist natürlich heller Unsinn. Gleich zu Anfang des ›Faustus‹ ist ja von Zeitbloms Verhältnis zum Judentum die Rede, wobei er Typen wie Breisacher vorgreifend von seiner Sympathie ausnimmt. Breisacher ist nichts als eine Karikatur der ›Konservativen Revolution‹, die in Goldberg einen ihrer jüdischen Vertreter hatte.» Weiß, dass er vielen Leuten zur Last falle, wie Hans Egon Holthusen es selbst zur Verteidigung seiner Schrift gesagt habe. Meint von sich, dass er nur das stattliche Produkt einer gewährten langen Arbeitsfrist und einer vergleichsweise guten Fähigkeit zum Durchhalten sei.
