Thomas Mann an Hermann J. Weigand
- Zeitraum
- Dienstag, 29. April 1952
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Dankt für den Essay über den ›Erwählten‹, mit dem W. »diesem reichlich übermütigen Altersexperiment viel Ehre erwiesen« habe. Verteidigt die sprachlichen Eskapaden des Romans: sie seien nicht etwa durch seinen Exilaufenthalt hervorgerufen, sondern die Anglizismen gehörten zur Erzählart; andere Ausdrücke entstammten einem etwas altmodischen Deutsch, das er zum Teil Goethe entlehnt habe. Der Roman stelle auch nicht die Erfüllung von Adrian Leverkühns Traum einer »aus der Isolierung befreiten Zukunftskunst« dar. Findet es bezeichnend, »daß das kleine Buch im ›Osten‹, in Russisch-Deutschland, der Tschechoslowakei, Ungarn, nicht erscheinen darf – wegen ›Volksfremdheit‹«. Berichtigt weitere irrige Annahmen W.s, zum Beispiel dass Faltonia das Modell seiner eigenen Frau sei. Gibt eine »verblendende Schein-Universalität« seiner Werke zu, die er jedoch »nicht gern als bloßen Schwindel hingestellt« sieht. Seine »Kontaktnahme« mit den verschiedenen Wissensgebieten »hatte doch immer eine eigentümliche Intensität der Einfühlung, die bis zur produktiven Familiarität damit ging und die Fachleute verwunderte«. Unterstützt W.s Bemühen, die Quellen des ›Erwählten‹ aufzuspüren, indem er seine Vorlagen angibt. Berichtet von seiner Lektüre des ›Grünen Heinrich‹.
