Thomas Mann an Reinhard Baumgart
- Zeitraum
- Mittwoch, 30. April 1952
- Datierung
- 30.4.1952
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Zu B.s Anfrage: Die Skizze ›Beim Propheten‹ scheine ihm weniger interessant zu sein durch irgend etwas Persönliches, sondern dadurch, dass der »Prophet« [Ludwig Derleth] als Daniel zur Höhe im ›Doktor Faustus‹ wiederkehre. Der Essay ›Goethe und Tolstoi‹ habe zwei Phasen durchgemacht, die endgültige Form ist in ›Adel des Geistes‹ erschienen. Die erste Fassung habe er als Vortrag zur Zeit des Ersten Weltkrieges oder unmittelbar danach benutzt. Die ausgebaute und verbesserte Form stamme vom Jahr 1922. Beziehungen zum ›Josephsroman‹ bestünden nicht. Bei der Arbeit daran sei ihm wohl Wagners ›Ring‹ durch den Kopf gegangen, aber der »tetralogische Aufbau zum Beispiel ist kein Beweis für eine bewußte Bezugnahme«. Er habe anfänglich nie an vier Bände gedacht, sondern beim Wachsen des Manuskripts festgestellt, dass eine Verschiebung der Veröffentlichung bis zum Abschluss des Ganzen unmöglich erschien. »Die Bezeichnung ›Weh-Froh-Mensch‹ bezieht sich nur auf Gilgamesch und paßt auf Siegmund ja gar nicht, der sich ›Wehwalt‹ nennt.«
