Thomas Mann an Ida Boy-Ed
- Zeitraum
- Sonntag, 11. Mai 1919
- Datierung
- 11.5.1919
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Am Ostermontag wurde ihnen ein Sohn geboren, der Michael heißen soll; damit sei das dritte Pärchen komplett. – Ist mit seinem guten München »völlig auseinander«: »Es ist eine alberne und gefährliche Stadt. Die Mischung von bürgerlichem Stumpfsinn, alias Gemütlichkeit, Leichtsinn und Schwabinger Literatur-Radikalismus ist ekelhaft, und, wie sich gezeigt hat, imstande, die blutigsten Absurditäten zu zeitigen.«. Trägt sich mit dem Gedanken der Umsiedlung nach Lübeck, einer Heimkehr, die er erst für seinen Lebensabend vorgesehen habe. Der Friede sei immer noch nicht in Sicht: »Es ist zu bemerken, daß das giftige alte Mannsbild, das ihn [den Frieden] in seinen schlaflosen Greisennächten ausgeheckt hat, *Schlitzaugen* hat und also vielleicht von Blutes wegen berufen ist, der abendländischen Kultur das Grab zu schaufeln und Asien oder dem Chaos den Weg zu bereiten.«
