Thomas Mann an Agnes E. Meyer
- Zeitraum
- Freitag, 23. Mai 1952
- Datierung
- 23.5.1952
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Sendet ihr mit herzlichem Dank die Seiten ihrer Autobiographie zurück, die von ihm handeln. »Sie zu lesen hat mich sehr gerührt und mit Freuden erfüllt über eine Empfänglichkeit, die in einer stumpfen Welt so selten ist.« Anerkennt ihr Bemühen, der amerikanischen Öffentlichkeit die Kulturtradition aufzuschließen, in der sein Werk wurzelt, andererseits den Einfluss aufzuzeigen, den amerikanisches Denken und Leben »auf den zwar schon voll ausgebildeten, aber immer bildbar bleibenden Kömmling« ausgeübt hat. Um seiner Freunde willen waren ihm die Ehrungen, die seinem Lebenswerk galten, willkommen, ihn selbst konnten sie wenig erheben. Der Nobelpreis sei »fast nur nordischem Vergnügen an den ›Buddenbrooks‹ entsprungen«, damals war knapp die Hälfte seines Schaffens vorhanden. Erfuhr vor ein paar Tagen, dass ihm der große Internationale Literaturpreis der Accademia Nazionale dei Lincei verliehen werden soll: auch dieser gelte mehr seinen Freunden, »denen es tröstlich zeigen wird, daß sie doch nicht so ganz dumm waren, wenn sie Freude hatten an dem Meinen«. Wird nach Rom fahren, um dort zu »repräsentieren«, und möchte beim »Santo padre« um eine Privataudienz nachsuchen.
