Thomas Mann an Heinz Flügel, Redaktion ›Eckart‹, Witten, Berlin
- Zeitraum
- Freitag, 23. Mai 1952
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Dankt für die übersandte Nummer des ›Eckart‹. Versichert, dass er nie abschätzig über diese Zeitschrift gedacht habe: was in katholischer Sphäre das ›Hochland‹ sei, sei in evangelischer der ›Eckart‹. Weist darauf hin, dass er an Besprechungen des ›Doktor Faustus‹ in geistlich orientierten deutschen Blättern mehr Freude gehabt habe, als an so »manchem Geschwätz ›profaner Organe‹«. Sein Verhältnis zu Luther sei zwar ebenso ambivalent wie zu anderen großen Deutschen, wie zu Bismarck oder Wagner gewesen. »Aber nie bin ich in meinem Herzen dreist gewesen gegen die schicksalhafte Mächtigkeit dieser Gestalt.« Es sei wohl begreiflich, dass Goethe ihm näher stehe als Luther. »Der hätte sich zum Trubel der Reformation ungefähr so verhalten wie Erasmus und wäre aus Sympathie mit objektiven Ordnungen sicher bei der alten Kirche geblieben.« Über all dies könne er keinen Aufsatz schreiben. Möchte sich aber gefällig erweisen und bietet der Zeitschrift zum Erstdruck ›Lob der Vergänglichkeit‹ an. Bittet, mit dem Abdruck bis Juli zu warten, weil auf der Veranstaltung ›Culture Européenne‹ Ungedrucktes von ihm verlesen werden soll.
