Thomas Mann an Hans Ulrich Staeps
- Zeitraum
- Montag, 9. Juni 1952
- Datierung
- 9.6.1952
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Dankt für die Geburtstagsglückwünsche. Über die Personenmontage im ›Doktor Faustus‹: Sagt, dass manche Figuren nach dem Leben gezeichnet sind. Er habe aber, da das Buch immer »mit einem Fuß im deutschen 16. Jahrhundert« stehe, viele Physiognomien Bildern von Dürer entnommen; es seien zum Beispiel die Eltern von Adrian dem ›Melanchthon‹ und der ›jungen Deutschen aus Venedig‹, der Onkel-Instrumentenmacher dem ›Baumeister Hieronymus von Augsburg‹ nachgebildet. Und über den ›Erwählten‹: Das Buch wurde mit geteilten Meinungen aufgenommen. »Es ist natürlich ein einmaliges, unwiederholbares Experiment, Frucht eines vielleicht zu weit gehenden Neuigkeitsbedürfnisses. Ein Kritiker schrieb mißbilligend, ich stellte mich darin mit Gott dem Herrn auf den Neckfuß.«
