Thomas Mann an Walter A. Kaufmann

Zeitraum
Sonntag, 6. Juli 1952
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Hält sich wegen der Behandlung eines harmlosen Halsleidens noch in Zürich auf, wird sich vor der Reise nach Salzburg und Bad Gastein noch drei Wochen in Kandersteg erholen. Hat K.s Nietzsche-Buch gelesen und äußert sich positiv wie kritisch zu dem Buch. Anerkennt die energische »Herausarbeitung von Nietzsches Gedankenwelt als einer *einheitlichen*, im Frühesten schon keimweise vorhandenen Philosophie, im Gegensatz zu dem impressionistisch irrlichternden Aphoristen, den man aus ihm hat machen wollen«. Kritisiert K.s allzu polemische Art gegen frühere Nietzsche-Forscher, nimmt besonders Ernst Bertrams »Legendenbildung« in Schutz, zu der der Gegenstand geradezu verlocke. Vermisst die Behandlung des Menschlichen in Nietzsche, »die Tragödie, das Hoch-Erbarmenswerte und Jammervolle«, ebenso das Mythische, »den Hang zum Kreuz« [s. Brief an Walter A. Kaufmann vom 3.6.1952 / Reg. 52/168].

Erwähnungen

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