Thomas Mann an Walter Hof

Zeitraum
Mittwoch, 8. Oktober 1952
Datierung
8.10.1952
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Dankt H. für die Zusendung seiner Arbeit, einer wissenschaftlichen Abhandlung über Goethes Verhältnis zu Frau von Stein. Die Arbeit kam leider in einem unglücklichen Moment, wo er sich angestrengt auf verschiedene Reden, unter anderem zu Gerhart Hauptmanns 90. Geburtstag, vorbereitete. Er müsse H. daher bitten, ihm nicht das Ganze zu schicken – den ihm übersandten Teil habe er bereits und mit Respekt gelesen. Kann es verstehen, dass H. bei den wissenschaftlichen Beurteilern mit seiner Darstellung auf Widerstand stoße, selbst er sei manchmal irritiert gewesen, wie er, H., für Frau von Stein eine Lanze breche. »Welche Rolle sie in dem Erziehungsroman von Goethes Leben gespielt hat, steht fest. Aber daß seine Flucht nach Italien mit ihr und seinem Verhältnis zu ihr gar sehr zu tun hatte, ist doch auch wohl gesichert […] Es ließ mich auch nicht ganz geduldig, zu sehen, mit welcher Bereitwilligkeit Sie den armen Goethe Ihrer Heldin opfern. Sein harter Realismus läßt ihn eine Gestalt wie Mignon fast kühl beiseite schieben! Die Elegien feiern mit deutlichem Ressentiment gegen alles Vornehme die pure Sinnlichkeit! Das nenne ich harten Realismus – wenn es Realismus ist.« – Das Kapitel sei trotzdem ein Produkt mutiger Forschung, und H. müsste doch versuchen, es bei einer Zeitschrift, etwa bei der ›Neuen Rundschau‹ oder beim ›Merkur‹ unterzubringen.

Erwähnungen

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