Thomas Mann an Helmut Albert Fiechtner
- Zeitraum
- Freitag, 12. Dezember 1952
- Datierung
- 12.12.1952
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Freut sich über F.s alte und fortwährende Anteilnahme an seinem Werk. Es tut ihm wohl, dass dieses Interesse besonders dem ›Doktor Faustus‹ gelte, dem Buch, das ihn viel gekostet habe. Der ›Joseph‹ sei dagegen »das reine Opernvergnügen« gewesen. Dankt ferner für das Heft der ›Furche‹ mit dem Artikel über seinen Vortrag in Wien [›Der Künstler und die Gesellschaft‹]. Soweit er sich erinnere, sei man in dieser Zeitschrift »von geistlicher Seite« sehr schroff mit ihm ins Gericht gegangen, wohl wegen des ›Zauberberg‹. Dankt besonders für das Buchgeschenk mit den Hofmannsthal-Dokumenten. »Ich habe diesen kostbaren Geist, dessen Menschlichkeiten ich mit amüsierter Ehrerbietung hinnahm, sehr geliebt, und beim Lesen erneuerte sich mir das Gefühl, der eigentümliche Stoß gegen das Herz, den ich bei der Nachricht von seinem Tode empfand.« Auch das Buch von Mühlher, ›Dichtung der Krise‹, habe einen außerordentlichen Eindruck auf ihn gemacht. Nun erhole er sich von den anstrengenden Wiener Tagen, und der Umzug ins neue Heim in Erlenbach stehe bevor.
