Thomas Mann an Manfred George
- Zeitraum
- Freitag, 29. Januar 1954
- Datierung
- 29.1.1954
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Dankt für den Hinweis, dass Ludwig Marcuse demnächst seinen 60. Geburtstag begeht. Hätte gern bei dem »Glückwunsch-Ständchen [...] unter dem Fenster seiner kalifornischen Philosophenklause« mitgewirkt. G.s Werk sei immer »provocativ« in des Wortes bester englischer Bedeutung gewesen und habe jüngst mit der Schrift ›Pessimismus. Ein Stadium der Reife‹ einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Zitiert eine längere Passage aus dem Buch und knüpft die Betrachtung daran, dass er es in seinem Herzen immer mit der »ungeschützten Situation« gehalten habe, die »den Unterschlupf bei irgendeiner ›Kirche‹ nicht zuläßt und die ihren Mann das Verstummen vor dem Geheimnis als ›religiöser‹ empfinden läßt als die, gelinde gesagt, indiskrete Geläufigkeit im Gebrauch des Wortes ›Gott‹«. – Es müsste eigentlich paradox sein, einen Pessimisten zu beglückwünschen. Nicht, wenn wie in diesem Fall, »der Pessimismus dem Leben zugetan ist, ein Mittel der Weisheit und des Friedens«.
