Thomas Mann an Hans von Hülsen
- Zeitraum
- Sonntag, 18. März 1917
- Datierung
- 18.3.1917
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Dankt für die Übersendung eines Büchleins mit H.s Novelle ›Nachtwandler‹. Lobt »die ruhige Sicherheit der Anschauung und des Vortrags« die er erworben habe. Hatte gestern nachmittag H.s Frau kennengelernt, die von den kriegerischen Schicksalen ihres Mannes erzählte; mit Genugtuung habe er erfahren, dass der Platen-Roman vollendet sei; sendet H. seinen Glückwunsch. Er selbst arbeitet weiter an seinem »politisch-antipolitischen Schmöker« und sehnt die Zeit herbei, wenn er wieder Künstler sein dürfe. »Ich verliere diese Jahre, genau, als ob ich eingezogen wäre. Aber eine gewisse Klarheit, Selbsterkenntnis, Selbstabgrenzung trägt es doch ein.« Glaubt nicht wie viele an das baldige Ende des Krieges: die Erlösung wäre nicht groß, weil es dann im Inneren losgehe, wobei ein Bürgerkrieg nicht ausgeschlossen sei. »Die Politik werden wir jedenfalls nie wieder los, und die Münchner Neueste Nachrichten werden wohl bis an unser Lebensende mit fetten Überschriften erscheinen.«
