Thomas Mann an Otto Basler

Zeitraum
Sonntag, 17. April 1955
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Erzählt B. von seinen Beziehungen zu Lübeck. Allgemein kann er sich dabei auf seine Rede ›Lübeck als geistige Lebensform‹ beziehen. Manches ist im ›Doktor Faustus‹ zu finden, der Ort Kaisersaschern und die Äußerungen des Serenus Zeitblom und Leverkühns zu der mittelalterlichen Stadt weisen auf Lübeck. Verwandte habe er in Lübeck nicht mehr, doch neben Hassern und Schitupfern auch Freunde seines Lebenswerkes. Berichtet vom letzten Besuch 1953 nach seinem Hamburger Vortrag, wobei er mit seiner Frau vor dem zerstörten Haus in der Mengstraße photographiert wurde. Eine Niederlassung in Lübeck habe er nie gewünscht oder geplant; ein verstorbener Vetter habe seine Frau davor gewarnt mit den Worten: »die geistige S-peise« würde fehlen. Anläßlich des 700jährigen Jubiläums sei er dort gewesen und habe vom Senat den Titel eines Professors erhalten. Bei einem mehrjahrhundertjährigen Jubiläum seiner alten Schule sei er dabeigewesen, wobei er den emeritierten Professor von Untersekunda an dessen Worte erinnerte, die dieser beim Studium der Schillerschen Balladen gesagt habe: »Das ist nicht das Erste-Beste, was Sie lesen, es ist das Beste, was Sie lesen können.« Jetzt habe der sozialdemokratische Bürgermeister der Stadt, Passarge, die Ehrenbürgerschaft von Lübeck für ihn erwirkt. Nach Beendigung seiner Schillerverpflichtungen werde er im Rathaus das Dokument entgegennehmen und eine Vorlesung im Theater halten. »Diese Ehrung ist also, jedenfalls offiziell und nach außen hin, der harmonische Abschluß eines lange Zeit von Seiten der Stadt recht schwankenden und problematischen Verhältnisses. Ende gut, alles gut.«

Erwähnungen

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