Thomas Mann an Ufa (Münchener Theaterleitung)

Zeitraum
Freitag, 1. März 1929
Datierung
ohne Datum [vor 1.3.1929]
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Wiederholt, was er gesprächsweise nach der Vorführung des Filmes ›Johanna von Orleans‹ in kleinem Kreise auszudrücken versuchte. Sein Eindruck war außergewöhnlich stark und tief, denn es handle sich um eine Erscheinung von größter Wichtigkeit für die Höherentwicklung der Filmkunst, ein Versuch, »der vielleicht die auf das Sentimental-Fabelhafte gerichteten Bedürfnisse eines Massenpublikums einigermaßen unbefriedigt lassen wird, aber jeden aufs höchste fesseln muß, der an die Vergeistungsmöglichkeiten des Films allmählich glauben gelernt hat«. Lobt eine Regieleistung von ebensoviel Enthaltsamkeit wie Suggestionskraft, »fußend auf einem Buch oder ›Manuskript‹, das durch die Kühnheit verblüfft, mit der es unter Vermeidung allen banal novellistischen Aufputzes einfach die Repliken und Daten des historischen Prozeß-Protokolls ins Mimisch-Menschliche überträgt und vergegenwärtigt«. Das historische Milieu sei fast ausschließlich durch das menschliche Antlitz gegeben, »durch diese Galerie eigentümlich mittelalterlich geprägter, bäuerlicher und aus dem Bäuerlichen verfeinerter Köpfe, die bei dem peinlichen Verhör der armen, kleinen Seherin immer wieder, in lebenswahr wechselndem Ausdruckszustande vorüberzieht, und in welcher der Zeitgeist selbst sich spiegelt«. Man habe bei Typenwahl, Maskenkunst und schauspielerischer Einübung außerordentliche Sorgfalt an den Tag gelegt.

Erwähnungen

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