Thomas Mann an Henri Focillon
- Zeitraum
- Sonntag, 29. Oktober 1933
- Datierung
- 29.10.1933
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Bedankt sich für einen wundervollen Brief über seine kleine literarische Gabe. Wagner sei vielleicht das stärkste und bestimmendste, wenn auch nicht das reinste und zweifelloseste künstlerische Erlebnis seiner Jugend gewesen. Sein kleines Buch habe deshalb den Charakter des Passionierten und Lebendigen gewonnen. Er habe damit im heutigen Deutschland angestoßen, wo Wagner ein vulgärer Massenmythus sei und wo man »mit kritischen Nüancen nichts anzufangen weiß«. Seinen neuen biblischen Roman, dem das stumm leidende geistige Publikum in Deutschland eine stürmische Aufnahme bereite, hoffe er S. bald in französischer Sprache überreichen zu dürfen. Bedauert, dass es gelegentlich der Sitzungen des Comité de Coopération Européenne nicht zu einer Begegnung mit F. gekommen sei und hofft auf ein Wiedersehen in Paris.
