Thomas Mann an Redaktion ›Hamburger Anzeiger‹
- Zeitraum
- Dienstag, 31. Dezember 1929
- Datierung
- ohne Datum [vor 31.12.1929]
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Eine Voraussage über die innere Entwicklung der jetzt lebenden Generation für das kommende Jahr sei ungemein schwierig. Dennoch: »die aufwärts strebende Richtung ist unverkennbar, in der das Geschehen unserer Zeit sich birgt«. Trotz des unendlich Schweren, das die Deutschen zu ertragen hatten, vernarbten langsam die Wunden und es gehe langsam aufwärts, obwohl man immer noch von der Leidenszeit des heiligen Sebastian sprechen müsse, wie er es, auf Deutschland bezogen, in seiner kleinen Stockholmer Dankesrede zum Ausdruck gebracht hatte. Im abgelaufenen Jahr habe man mit allen möglichen fremden Mitteln an der deutschen Psyche herumgedoktert. »Faschismus und Amerikanismus wurden uns empfohlen. Beides ist gleich unmöglich, gleich untauglich und beides kann nur von Leuten gepredigt werden, die keine Ahnung haben von Deutschland und Europas seelischer Verfassung.« Er baue auf die Jugend, die hoffentlich bald ganz zu sich selbst findet.
