Thomas Mann an Max Krell
- Zeitraum
- Montag, 30. September 1918
- Datierung
- 30.9.1918
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Dankt bewegten Herzens für K.s Aufsatz über die ›Betrachtungen eines Unpolitischen‹, den er als die erste Rückäußerung auf seine nun laut werdenden jahrelangen Grübeleien gleich mit größter Spannung gelesen habe. Dieses so positive und befreundete Echo habe fast etwas Traumhaftes für ihn. Hat gleichzeitig einen Novellenband von Otto Zarek mit einem Brief bekommen, worin dieser sage, es sei heute notwendig zu betonen, dass eine starke und lebendige Gefolgschaft von Jugend den Geist der Schönheit und der Menschenwürde nicht dem Götzen der Politik geopfert hat. – Fragt sich, ob er, um der Außenwelt willen, die ›Betrachtungen‹ am Ende gar nicht hätte schreiben brauchen? Dass die ›Neue Rundschau‹ K.s Aufsatz nicht bringen will, ist ihm schwer erklärlich. Als Referat hält er ihn für ein Meisterstück. Er weiß zu würdigen, wieviel Mühen und Arbeit darin steckt; dass die Arbeit nun umsonst getan sei, ist ihm im höchsten Grade peinlich, abgesehen davon, wie bitter nötig gerade K.s Stimme für ihn gewesen wäre.
