Thomas Mann an Günter Buss
- Zeitraum
- Donnerstag, 27. November 1947
- Datierung
- 27.11.1947
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
B.’s Brief habe ihn sehr bewegt »durch die nur zu überzeugende Schilderung« der Schwierigkeiten, denen die deutsche Jugend »in dieser Zeit der Wirrnisse« anheimgegeben sei. Am besten seien diejenigen daran, »die bei einer festen Glaubensdisziplin, einem Dogmen-System, einer Kirche, der katholischen oder der kommunistischen, Unterkunft gefunden haben«. Ein solcher Hafen sei jedoch nicht jedermanns Sache und auch er ziehe die Freiheit vor. Nur durch das persönliche Beispiel könne man »bedürftiger Jugend« etwas bedeuten. Das Schwerste und Entmutigendste für junge Leute müsse es sein zu sehen, dass soviele Leiden die Welt nicht besser und klüger gemacht hätte, »wie es fortgeht mit Egoismus, Raffgier, Korruption, blinder Machtvergessenheit, kurz mit der alten Dummheit und Schlechtigkeit«. Der Geist müsse versuchen, in diesem Treiben seine Würde, Freiheit und Überlegenheit zu wahren.
