Thomas Mann an Klaus Mann

Zeitraum
Mittwoch, 19. März 1947
Datierung
19.3.1947
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Nimmt Stellung zu einem Briefwechsel zwischen K. und Oskar Seidling (worin K. sich als »antideutsch im guten alten Onkel Heinrich-Stil« bekannt hatte, wohingegen Seidlin eine versöhnlichere Haltung einnahm). Wenn er an alle die denkt, »die das verfluchte deutsche Gesindel mir umgebracht hat, so sehe ich heute noch rot und gönne der gottgeschlagenen Rasse jede Strafe«; auf der anderen Seite klinge »antideutsch« komisch und wie ein haltloses Statement. Bertram habe vom Deutschtum »schon etwas verstanden, nur dass er eben ein germanistischer Runenrauner war«. »Nimm den alten Hesse. Er hat seine sehr ärgerlichen Seiten«, wenn er jedoch in einer amerikanischen Rezension lese, der ›Steppenwolf‹, sei ein »repellent example of that beery old thing, German Romanticism«, so fühle er eine Art von Betrübnis. »Daß das Deutschtum quite a mess ist, ist unbestreitbar, und wenn Nietzsche es sagt, so ist es gut, wenn aber Time Magazine es sagt, ist es bloß ungebildet.« Zitiert Wiechert, der gesagt habe, die ganze deutsche Jugend »bestünde aus Jünger-Jüngern, mit dem Tode cynisch auf Du und Du, frech nihilistisch«, sowie Hoegner: »Lieber Emigrant in Zürich als Minister in Bayern.« Bidaults Vorschlag einer gelenkten Auswanderung großen Stils aus Deutschland habe größten Eindruck auf ihn gemacht: »Ein so sonderbares Volk sollte nicht so zahlreich sein.«

Erwähnungen

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