Thomas Mann an Ida Boy-Ed
- Zeitraum
- Donnerstag, 17. Oktober 1918
- Datierung
- 17.10.1918
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Dankt für ihren Brief und ihren Aufsatz, mit dem er sich ausführlich auseinandersetzt. Stimmt ihren Gedanken im Allgemeinen zu, meint aber, dass man ohne den »Hilfsbegriff« und die »Verständigungsformel« des Romantischen bei der Beurteilung der politischen Lage nicht auskomme. »Was ist es denn, was in meinesgleichen gegen die demokratische Einebnung Deutschlands protestiert, als die Anhänglichkeit an das ›romantische‹, das kaiserliche Deutschland [...]? Solange noch ein Kaiser an der Spitze steht, ist das romantische, das mittelalterliche Deutschland nicht tot.« Es gehe bei der Einreihung Deutschlands in die rationalistische Zivilisation einfach um seine Entromantisierung. Er fragt sich, was aus dem Hause Hohenzollern werden soll, das am Ende nicht einmal in Preußen bleiben könne. – Ist über Thomas Woodrow Wilsons Haltung verärgert, indem »der Diplomat über den Philanthropen täglich mehr die Überhand gewinnt« und dessen Forderungen sich stetig steigern, ohne sich selbst zu binden. – Sieht ihrer Besprechung [der ›Betrachtungen‹] mit Vertrauen entgegen.
