Thomas Mann an Klaus Richter
- Zeitraum
- Dienstag, 3. Juni 1952
- Datierung
- 3.6.1952
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Entspricht der Bitte R.s, ein Manuskript über Musik in der Dichtung, hierunter der seinen, kritisch zu beurteilen. Generell sei das Thema zu eng gefasst, es müsse sich vor allem auch auf die Romantik erstrecken. »Ohne das ›Süße Liebe denkt in Tönen‹, ohne Hoffmanns ›Ritter Gluck‹ und ›Don Juan‹, ohne seinen Kapellmeister Kreilser, kann ich mir ein solches Buch nicht vorstellen.« Seine eigenen Bücher betreffend kritisiert er die Rolle, die R. Adornos Beitrag zum ›Doktor Faustus‹ zulege. Ansonsten habe er nur Kleinigkeiten auszusetzen: »Das Stück, das Pfühl mit Gerda Buddenbrook spielt, ist doch wohl das Meistersingervorspiel und nicht der Liebestod.« Dass das Teufelsgespräch im ›Faustus‹ die Mitte des Buches einnimmt, »ist nicht ausgerechnet, sondern hat sich von selbst so gemacht«. R.s Arbeit enthalte viele gute sachliche Einzelheiten und könne sich zu einem interessanten Werk auswachsen.
