Thomas Mann an Wolf Littmann
- Zeitraum
- Sonntag, 31. Januar 1954
- Datierung
- 31.1.1954
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Bedankt sich für L.s Vertrauen. »Wir wollen uns aber in keiner Nachahmung ergehen und keinen ›Briefwechsel mit einem jungen Dichter‹ vorsätzlich entrieren.« Seine Arbeitsökonomie und Lebensführung sei nicht mit der Rilkes zu vergleichen, »und außerdem ist Rilke in einem vernünftigen Alter gestorben, während ich im 79. bin und dabei die Marotte habe, künstlerisch noch etwas vor mich zu bringen«. Er arbeite vormittags und sei nachmittags zu müde, mit jungen Dichtern zu korrespondieren. Er habe mit ergriffener Ehrerbietung gelesen, was die wirre Epoche L. zugemutet habe. War gerührt von L.s geistiger Kameradschaft mit seinem verstorbenen Sohn. Dessen Schwester Erika, die den Tod ihres Bruders nie verschmerzen werde, kämpfe nun »für die literarische Spur seines Lebens«. Er wolle L.s Roman gern lesen. »Eindrucksfähig bin ich noch immer, und man darf ja vertrauen, daß Sie nicht mogeln, sondern aus einem nur allzu reichen Erlebnisvorrat schöpfen.« Erzählt von seinen Reiseplänen; um der Krull-Memoiren willen sollte er »wohl nicht immer in der Schweiz hocken, sondern mich im Weiten und Neuen umschauen«.
