Thomas Mann an Ernst Moering

Zeitraum
Samstag, 28. Oktober 1950
Datierung
28.10.1950
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Bedankt sich für H.’s Brief und erinnert sich daran, dass dieser einstmals sein Führer durch Breslau, »dessen Name sich unerdessen so wunderlich verändert hat«, war. Sein Vortrag anläßlich seines 75. Geburtstags sei ein Versuch gewesen, »sich in diesen wirren Zeiten vor Gott und Menschen richtig oder doch anständig zu halten und stellen«. Solche Versuche, zum Guten zu reden, gingen immer neben seiner künstlerischen Arbeit her. So habe er sich 52mal im ›Joseph‹ unterbrochen, um Diatriben gegen Hitler abzufassen. Ist davon beeindruckt, dass beamtete Theologen »in christlicher Sicht« Anteil an seinem Werk nehmen. Obwohl er nie Anspruch auf den Namen eines homo religiosus erhoben habe, so fühle er sich doch, schon in der Nachfolge Goethes und Nietzsches, als protestantischer Christ. Nur von einem solchen hätte der ›Doktor Faustus‹ kommen können. Seine Gregorius-Legende sei »wieder ganz in verschämten Scherz gehüllt. Nur Dümmlinge und Frömmlinge wird das täuschen«.

Erwähnungen

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