Thomas Mann an Franz W. Beidler

Zeitraum
Dienstag, 26. November 1935
Datierung
26.11.1935
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Hat B.s Vortrag, den dieser in Basel gehalten hatte, mit Interesse und aufrichtigem Beifall gelesen. »Es ist unglaublich, wieviel Nationalsozialismus im Bayreuthianismus schon steckt, zum Beispiel auch in seinem fiktiven Kämpfertum. Unseres Adolf Schwäche für ›Wagner‹ hat schon ihre gute und schöne Berechtigung. Und schließlich müssen sogar die Anführungsstriche fallen, denn ich fürchte, gegen das Ende seines Lebens war Wagner selbst wie Chamberlain, kein Wagnerianer, sondern ein Bayreuthianer.« Die Lektüre des Vortrags habe ihn in seiner Überzeugung bestärkt, B. sei in jeder Beziehung der rechte Mann für »die wirkliche Cosima-Biographie«. Wenn B. das Buch mit Pietät, aber unbeschönigender Einsicht in die schlimmen Zusammenhänge schreibe, so werde es »aufschlußreich auch über eine gewisse deutsche Legitimität, Folgerechtheit, Echtheit, Notwendigkeit dessen, was wir heute erleben, und doch auch wieder in das Zweifelhafte dieser deutschen Echtheit«. [Werk nicht vollendet.] Denn zumindest »die internationale Liszttochter« habe diese Echtheit nicht besessen.

Erwähnungen

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