Thomas Mann an Franz Dornseiff

Zeitraum
Sonntag, 20. Oktober 1935
Datierung
20.10.1935
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Bedankt sich für D.s neuesten Aufsatz aus der Hempel’schen Zeitschrift. Die Betrachtung des Alt-Testamentlichen im Licht der Antike überhaupt entspreche ihm ungemein. Er mache sich nichts daraus, Griechisch-Mythisches und Legendäres in sein Werk »gedanklich hineinschielen zu lassen« und schrecke hier vor keinem »Anachronismus« zurück. D.s Annahme, dass man in dem Dionysosdienst etwas uralt Vorgriechisches zu erblicken habe, das den Israeliten bekannt sein konnte, überrasche ihn gar nicht. Er habe dem Weibe des Potiphar einen ausgesprochen mänadischen Charakter gegeben und sie den Dienst der Hekate treiben lassen, »in der Überzeugung, wie gesagt, daß man die Mythologien ruhig etwas durcheinander werfen darf«. D.s Auffassung des Verhältnisses Moses‹ zu Gott als »himmlische Liebesbeziehung« war ihm »ebenso willkommen und vertraut, wenn auch als Einzelheit neu«. Das möge ihn vor Tadel schützen, wenn er seinem Joseph erlaube, sich als »Liebling« Gottes empfinden und ihn dessen »Eifersucht« fühlen zu lassen.

Erwähnungen

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