Thomas Mann an Wilhelm Kiefer
- Zeitraum
- Freitag, 10. Mai 1935
- Datierung
- 10.5.1935
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Er habe K. nicht kränken wollen [vgl. Brief an Wilhelm Kiefer vom 24.4.1935 / Reg. 35/71a]. Aber er sei ebenfalls empfindlich. »Die allgemeine Überschätzung des praktischen Wertes meines Namens macht mich nervös und die ebenso allgemeine Neigung, ihn vorzuspannen.« Es liege kein Grund vor, an ihm zu zweifeln, wenn er seinen Namen unter keinem Aufruf sehen wolle. Auch sei keine Besorgnis am Platze, dass er auf diese Weise es etwa mit Europa verderben wolle. »Sie kommen da etwas ab und geraten auf Wege, die Sie mich ganz allein gehen lassen müssen. Ich sorge schon dafür, daß mein Bild schließlich klar und deutlich ist.« – K. möge ihm seinen Werbe-Prospekt schicken. Er wird ihn lesen und unterschreiben, wenn er ihm nach dem Herzen sei. Schickt ihm zur Versöhnung ›Leiden und Größe der Meister‹. Das Buch führe ein in eine in Deutschland längst verklungene und eigentlich unmögliche Sprache, die nur dank ganz besonderer Umstände widerwillig noch einmal zugelassen wurde. »Die deutschen Leser machen ziemlich ausgiebig Gebrauch davon.«
