Thomas Mann an Alfred Bäumler
- Zeitraum
- Sonntag, 7. März 1920
- Datierung
- 7.3.1920
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Erhielt von Professor Cossmann, dem Herausgeber der ›Süddeutschen Monatshefte‹, eine hinhaltende Antwort auf seine Bitte um Veröffentlichung von B.s Arbeit [s. Brief an Alfred Bäumler vom 29.2.1920 / Reg. 20/23]. – Dankt für B.s Mitteilungen über dessen geistige Pläne und Absichten. – Findet dessen Charakterisierung Oswald Spenglers zutreffend. Auch er habe ihn als Nietzsche-Schüler empfunden; diese Herkunft bedeute für ihn aber keinen Einwand. Lehnt auch die Kennzeichnung des Spenglerschen Werkes als »Dekadenzphilosophie«, wie es Rudolf Pannwitz und der George-Kreis tun, nicht ab. »Aber die Tatsache eben, daß sie zutrifft, ist wohl leider der Grund dafür, daß die Wirkung des Buches auf mich durchaus die der Faszination war. Zu vieles in mir hatte auf diese Formulierungen gewartet. Und der sündhaften Mischung von Dogmatismus und Skepsis unterlag ich komplett, – ich schäme mich nur wenig, es zu sagen.« Spengler werde im allgemeinen als Prophet der »Civilisation« verstanden, »während sich doch diese ganze Anordnung der Dinge nur in einem *konservativen* Kopfe herstellt und seine ganze Kulturdiagnose [...] nichts als Melancholie, Resignation und unterirdische Polemik bedeutet.«
