Thomas Mann an Redaktion ›Vossische Zeitung‹, Berlin
- Zeitraum
- Donnerstag, 21. Juli 1921
- Datierung
- ohne Datum [vor 21.7.1921]
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
[Die Zeitung veröffentlicht mit Erlaubnis Thomas Manns folgenden Passus eines Briefes] Er habe sehr, sehr wenig Lust, sich zu einer Arbeit über Bayreuth zu verpflichten: er könne an diesen Gegenstand nicht den rechten Glauben aufbringen. Wagner und sein Theater habe den Gedanken an das Volkstheater wieder aktuell werden lassen. Durch das populär sinnliche Element sei das Theater von jeher zur Volkskunst prädisponiert. Hof und Bourgoisie hätten das Theater bloß usurpiert und verdorben, bzw. zu ihrem Zweck abgewandelt. Es sei der Augenblick gekommen, »das Volk im Theater und das Theater im Volk wieder in seine Rechte einzusetzen«. Es ist allerdings zu fragen, ob das heutige Massenpublikum noch »Volk« sei. Man müsse das heutige »Bayreuth« als Nationaltheater von Wagner loslösen – und dann sei der geographische Begriff Bayreuth überflüssig. – Aber er komme mit seinen Gedanken nicht zu Ende und halte es überhaupt für verfehlt, dieses weitläufige Problem in einem Tages-Feuilleton aufzurollen.
