Thomas Mann an Paul Geheeb
- Zeitraum
- Montag, 4. Mai 1925
- Datierung
- 4.5.1925
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Ist bestürzt über G.s Mitteilung, sein Sohn Klaus habe in einer Skizze, betitelt ›Der Alte‹, in seinem soeben erschienenen Novellenband G. in verleumderischer Weise als eine Karikatur hingestellt, die ihn in den Augen eines jeden mit dem Milieu der Odenwaldschule Vertrauten lächerlich machen müsse. Gesteht, dass ihm beim Lesen dieser Skizze nicht bewusst geworden sei, wer das Modell gewesen sei, zumal sein Sohn stets voller Sympathie und Achtung von G. gesprochen habe. Er werde mit seinem Sohn ernsthaft reden, glaube aber nicht, dass dieser »skurrile Spaß eines sichtlich so unreifen Anfängers« G.s Persönlichkeit schaden werde, denn selbst Kenner der Verhältnisse müssten wissen, dass diese Geschichte wie alle übrigen Novellen dieses Bandes »aus dem Realen ins Groteske, Phantastische und irreal Fratzenhafte« abgleite. Fügt hinzu, dass er mit der literarischen Entwicklung seines Sohnes sehr wenig einverstanden sei, aber auf dessen Publikationen keinen Einfluss habe.
