Thomas Mann an Verlag der Jugendinternationale, Berlin [?]
- Zeitraum
- Montag, 27. Juli 1925
- Datierung
- 27.7.1925
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Erstattet wunschgemäß ein Gutachten über das auf Beschlusas des Amtsgerichts Berlin-Schöneberg eingezogene Buch Kurt Kläbers ›Barrikaden an der Ruhr‹. Die Einziehung ist seiner Ansicht nach in missverständlicher Form erfolgt, eine Annullierung ist zu wünschen. In den novellistischen Schilderungen werde nicht zum Ungehorsam gegen die Gesetze aufgefordert, sie reizten nicht zu Gewalttätigkeiten. Es seien Dichtungen von beträchtlicher Darstellungskraft. »Gerade in einer der beiden besonders inkriminierten Erzählungen ›Die Barrikade‹ (aber auch sonst überall) fielen mir lebendige Einzelheiten auf, wie niemand sie findet, dem es ums Hetzen, um die Aufwiegelung beschränkter Leidenschaften zu tun ist, sondern nur der, den die bittere und dichterische Melancholie der Wahrheit und Gerechtigkeit beseelt und dessen tiefster produktiver Antrieb nicht der Haß, vielmehr der Wunsch nach Begütigung, Aufklärung, Befreiung und menschlichem Ausgleich ist.«
