Thomas Mann an [Friedrich von der Leyen?]
- Zeitraum
- Samstag, 12. Juni 1926
- Datierung
- 12.6.1926
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Über eine eventuelle Berufung Karl Alexander von Müllers an die Kölner Universität: Es sei richtig, dass Historiker von Natur aus »seelisch-gesetzmäßig keine Revolutionäre sein können, sondern konservativ sind so gut wie immer«. Da er im Grunde seines Herzens auch ein geschichtlicher Mensch sei, »also stimmungsmäßig konservativ und nur durch Selbstkorrektur noch etwas Anderes«, so verstehe er das und habe darüber auch in ›Unordnung und frühes Leid‹ geschrieben. »Auch ist Konservatismus heute ja reine Melancholie [...] und kann praktisch kaum noch Unheil anstiften. Den Revanchekrieg werden unsere Nationalisten nicht haben; denn die Wirtschaft will die Konsolidierung Europas, und was die Wirtschaft will, das geschieht, was einem natürlich die ganze Demokratie verekeln könnte.« Er schätze Professor von Müller in seinem menschlichen und wissenschaftlichen Wert, er ist ein »kultivierter, urbaner Mensch dazu«. Die Kölner Professorenschaft würden einen sympathischen Kollegen und die Studenten einen tüchtigen Lehrer in ihm haben.
